Auf die Füße

Ui, das ist aber lang her, dass ich hier zuletzt was geschrieben habe? Egal. Grade scheint es mir keine doofe Idee, es mal wieder zu tun.

Geändert hat sich viel in den letzten Jahren, nicht zuletzt ich, aber ganz tief drin bin ich, hoffe ich, noch dieselbe. Vielleicht mit ein paar Kratzern mehr, sicher mit einigen Erfahrungen mehr und hoffentlich mit etwas Erfahrung und „Weisheit“ (oder so) mehr.

Auf jeden Fall ging es am Wochenende endlich mal wieder in die Berge. Früher war ich gern Wandern, dann schlief es aufgrund verschiedener Umstände massiv ein bis zur Nichtexistenz, aber es scheint, als ob ich das jetzt reaktivieren könnte 😀 und das freut mich sakrisch.

Freitag morgen gings los gen Karwendelregion, genauer gesagt, Umlberg, in der Nähe von Terfens. Wir hatten eine supercoole Hütte (wobei da Hütte echt untertrieben ist) aufgetrieben, von wo aus wir im idealen Betreuungsschlüssel von 8 Erwachsenen und 2 5-Jährigen losziehen konnten. Freitag erstmal Eingewöhnung, am Nachmittag eine kleine Runde um das Haus, um die Gegend kennenzulernen.

Samstag hatten wir Pech in der Früh. Mutti (also ich *hüstel*) hatte die drohenden Regenwolken unterschätzt und mich und Kind nur in Softshell gepackt. Hatte zur Folge, dass wir nach dem halben Weg relativ tropfnass waren. Erhöhte beim Kind die Gehbegeisterung nur unwesentlich 😉 Aber mit guten Zureden und der einsickernden Erkenntnis, dass Rumstehen es auch nicht wärmer macht, erreichten wir nach einem kleinen Verlaufer dann doch noch die Ruine Rottenburg (Tour wie hier). Die entschädigte zumindest mich mit großartigem kaputtem Gemäuer und schönem Ausblick. Kind und Mitwanderer waren auch zufrieden und guter Laune, perfekt also. Es schweißte auch zusammen, dass kurz vor uns ein Auto aus Hamburg direkt vor der Ruine parkte, aus dem vier dem Outdoorkatalog entstiegene Norddeutsche kamen, die mit strammem Schritt im Nieselregen ebenfalls die Burg enterten. Man meinte an den Vaude-Klamotten noch die Preisschildchen baumen zu sehen …

Samstag nachmittag war dann auch Kind Nr. 2 da und die Betreuungssituation entspannte sich merklich. Zusammen mit den Eltern von Kind 2 ging es dann vorm Abendessen noch flink den Planetenlehrpfad in Terfens lang. Da war das Wetter schon schön, mit reichlich Sonnenschein und beide Kinder hochmotiviert. So macht das auch den Eltern Spaß. Und da wir eh vom heißen Bad gut aufgewärmt war, tat die Sonne ihr übriges, dass alle die Mini-Tour genießen konnten.

Sonntag dann volles Programm, es stand die Wolfsklamm auf dem Programm. Die beiden kleinen Damen waren recht unsicher, was denn vom Namen Wolfsklamm zu halten wäre und mussten erstmal überzeugt werden, dass die namensgebenden Wölfe sich beim Anblick von 10 Leuten, die lautstark auf sie zustolpern garantiert aus dem Staub machen. Zumal die großen Männer, den Wölfen doch eh eine auf die Nase hauen können 😉 Erstaunlicherweise hielten sich die zwei Grazien dann auf dieser Wanderung wirklich gut. 5,5 km mit fast 500 Höhenmetern zu Überwinden wollen ja auch erstmal gegangen werden. Die veranschlagten 3 h hauen mit Kindern natürlich absolut nicht hin, ein kompletter Tag (ca. 10 Uhr bis 17 Uhr) ging dafür drauf, inklusive Einkehr in St. Georgenberg. Der Abstieg war dann aus Muttersicht doch mit Herzklopfen verbunden, hier war der Weg im Gegensatz zu hervorragend abgesicherten Klamm einfach nur ein Weg. Ist ja klar am Berg. Aber ne Fünfjährige auf einem halben Meter breiten Wegchen, wo es daneben mal schlank 100 m in die Tiefe geht. Hui. Aber hat ja alles gut geklappt und das Kind hat jetzt bißl mehr Respekt vor den Bergen.

Sonntag dann noch zum Abschluss und weil es eh wieder nieselte Abstecher in die Erlebnistherme Zillertal. Baden geht mit Kind immer, von daher eine sichere Bank. Immerhin hatte sie da ja dann doch knapp 15 Kilometer auf dem Buckel. Da war ein bisschen Entspannung schon ok.

Fazit: Fantastischer Urlaub in einer unglaublich schönen Gegend. Hätte es mal ein wenig mehr Sonne noch gehabt, es wäre glatt zu perfekt geworden 😉

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Meine Ehrfurcht vor dem Können

Gestern hatte ich ja das Glück (aus meiner Perspektive), dass ich ein 1 zu 1 Personal Training ergattern konnte 😉 Das schöne Wetter lockte nur wenige (sprich: keine) Trainingswillige hinterm Ofen vor, also waren nur der werte Hans und ich vor Ort, die wir eh dazu verdonnert worden waren, in Abwesenheit der „echten“ Trainer das Training zu leiten. Und da wir beide auf dem Standpunkt stehen, wenn wir schon mal da sind, tun wir auch was, taten wir was.

Mein schwächster Punkt ist ja das Reagieren (glaube ich zumindest sehr sicher). Also technisch würde ich mir durchaus solides Können bescheinigen, aber das instinktive Ausführen der passenden Technik zur richtigen Zeit ohne langes Überlegen, das fällt mir schwer. Freilich, man darf nicht vergessen, dass ich ja eigentlich erst seit etwas über einem Jahr wieder ernsthaft trainiere und vorher gut 16 Jahre Pause gemacht hatte (und davor ja auch erst zweieinhalb Jahre Ju-Jutsu gelernt hatte), aber trotzdem. Ich komme ja nun allmählich in einen Bereich, wo man das schon erwarten kann/wird, mindestens in der Prüfung, „in echt“ ist es ja das einzige, was dich rettet.

Jedenfalls war das meine Bitte gestern, wir mögen doch diese schöne Gelegenheit nutzen und ein bisschen am nicht-Denken arbeiten. Dafür ist der Hans der absolut perfekte Ansprechpartner. Denn er hat zum einen einen soliden Kampfkunsthintergrund und zum anderen auch genügend praktische Erfahrung, um zu wissen, was geht und was sinnvoll ist.

Es lief dann also auf knapp anderthalb Stunden Wing Tsun hinaus, mit kleineren Einschlägen Muay Thai (geschuldet den beiden Disziplinen, die er am allerbesten kann und die ihm, glaub ich, auch am meisten Freude machen). Und ich bin immer wieder so dermaßen fasziniert davon, mit jemand zu trainieren oder jemand zu sehen, der offenkundig so genau weiß, was er tut und sich so präzise und sauber bewegen kann. Da wackelt nix, da steht der Fuß immer richtig, da ist die Hand immer genau da, wo sie hinsoll. Ein Traum. Ich könnt mir das ja auch Stunden anschauen 😉 Und es war erstaunlich, wie gut es doch geht, dass das Hirn mal aus ist. Vermutlich auch der höheren Trainingsintensität geschuldet. Denn wenn die Zeit zum Nachdenken einfach fehlt, dann fehlt sie. Dann kann ich mir entweder eine einfangen oder ich muss doch reagieren. Denn aus früherer Erfahrung weiß ich schon, er schlägt auch Frauen *schnief* Nicht krankenhausreif natürlich, aber spürbar. Und das will ich nicht. Der Mann hat echt harte Handknöchel, die mag ich nicht am Kinn haben, auch nicht mit ganz wenig impact. Das ist doof.

Naja, der langen Rede kurzer Sinn: Es war ein tolles Training. Und sehr konzentriert und lehrreich. Und immer wieder lohnt es sich, über den Tellerrand zu schauen und sich zeigen zu lassen, was andere so machen. Noch nie war was Unbrauchbares dabei!

Wie schön, dass du geboren bist …

… wir hätten dich sonst sehr vermisst!

Heute ist mir aufgefallen, warum ich an meinem Geburtstag (trotz vieler schöner Momente und ein paar toller Geschenke *freu*) doch auch ein wenig traurig war. Heutzutage ist es ja so einfach, sowas wie einen Geburtstag im Blick zu haben: das Smartphone erinnert einen, Facebook erinnert einen, man hat sich’s möglicherweise sogar in einem Kalender eingetragen … Und wenn ich als Geburtstagende dann eine kurze Zeile irgendwo bekommen, dann bilde ich mir ein, hey, da hat jemand zumindest deine Anwesenheit soweit bemerkt und wertgeschätzt, dass er sich wenigstens ein paar Minuten seiner Zeit genommen hat, um dir damit zu sagen „freut mich, dass du da bist“. Möglicherweise ist natürlich auch ein gewisser Anteil an Leuten dabei, die reflexartig an jede Pinnwand posten/jedem mailt, der als Geburtstag habend angezeigt wird, aber egal. Es gibt sogar Menschen, die so viel Zeit investieren, dass sie mich anrufen (wobei ich eigentlich nicht gern angerufen werde, aber denjenigen verzeihe ich das :)). Irgendwie finde ich das tröstlich, dass ich scheints doch ein paar Leuten nicht völlig egal bin.

Traurig machts mich, wenn jemand mir wichtig ist und ich dann grade von denen keinen Mucks höre. Weil ich in keinem der Fälle einordnen kann, warum das so ist, und weil ich in keinem der Fälle richtig loslassen kann und mir sagen, fuck it, dann halt nicht. Aber anscheinend seh ich das falsch oder zumindest in einem ganz anderen Stellenwert. Und ich hab dabei gar nicht so viele Menschen, die in meinem Leben einen solchen Stellenwert haben. Und dann macht es mich umso trauriger. Oder messe ich dem einfach nur zu viel Bedeutung zu und so ein kleines „Hallo“ ist in meinen Augen voll überbewertet?

Aber dann kommen andere Menschen, die ich kaum kenne (gefühlt) und die sich scheints wirklich interessieren und die gratulieren und mich in den Arm nehmen und strahlen. Und dann bin ich richtig traurig. Blöd, gell? 😦

Das Alter

Vielleicht werd ich alt. Oder sentimental. Oder war’s schon immer.

The Wolf Among Us

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Ich würde mich ja als jemand bezeichnen, der viel spielt. Und dabei auch genremäßig recht aufgeschlossen ist (mal abgesehen von Sportspielen, die gehen irgendwie nur schlecht, und Fußballspiele gehen absolut gar nicht). Aber sonst, glaub ich, hab ich einen guten Überblick, über alles, was da so über den Bildschirm flimmert. Und mit meiner geballten Kompetenz sage ich euch: SPIELT DIESES SPIEL! Denn es ist fantastisch. Es fordert Entscheidungen (wie auch schon das ähnlich fantastische Walking Dead, ebenfalls von Telltale Games), es erzählt eine Story, die man hören möchte, es hat tolle Charaktere und einen eigenständigen Look, der hervorragend passt.

Mir ging es bei den bisher erschienenen drei (insgesamt werden es fünf) Episoden von The Wolf Among Us jedesmal so, dass ich keine Entscheidung offensichtlich richtig fand. Wer A sagt, verliert unter Umständen B. Wer zuerst nach links geht, kommt möglicherweise später nicht mehr nach rechts. Es fühlt sich nach Konsequenz an. Das finde ich ziemlich genial. Inwieweit es tatsächlich so ist, weiß ich bisher nicht und möchte ich eigentlich gar nicht wissen. Es fühlt sich zumindest nach mehr Konsequenz an als in jedem anderen Spiel bisher, damit bin ich schon völlig zufrieden.

Das Spiel basiert, wie ich am Wochenende gelesen habe, auf der Comicreihe „Fables“ von Bill Willingham (ich hab die noch nicht gelesen, aber mal die ersten drei Bände für den Kindle runtergeladen), und spielt im heutigen New York, wo die Märchenwesen im Exil leben. Einfach für diejenigen, die sowieso menschlich aussehen, problematisch für all diejenigen, die etwas, sagen wir, exotischer sind. Aber auch dafür gibt es eine Lösung: Glamour heißen die Zaubersprüche, die sie für teures Geld von den Hexen kaufen können, damit sie unerkannt in der Stadt leben können und nicht auf der Farm ihr Dasein fristen müssen. Mitten in dieser eh komplizierten Situation beginnt jetzt eine hervorragende Krimi-Handlung, (bisher) irgendwo zwischen Noir und hard-boiled. Bigby Wolf (der böse Wolf), Sheriff von Fabletown, ermittelt zusammen mit Snow White, stv. Bürgermeisterin.

Ich mag ja die Übertragung der klassischen Märchenpersonen/-elemente in die aktuelle Welt sehr gern. Und ich mag es, wie fies und kalt sich diese Welt anfühlt. Klar, Märchenfiguren, aber drumherum ist es ziemlich dunkel, hart und gemein. Nicht ohne Grund ist das Spiel ab 18 und ich schätze mal, fuck ist das meistgesagte Wort. Dafür aber in den verschiedensten englischen Dialekten wunderschön gesprochen*g*

Jedenfalls, spielt dieses Spiel, ihr werdet es nicht bereuen.

Oh, und noch ein (äußerst guter) Grund, es zu spielen: Bigby! 😉 Also wegen seinem Ringen um die  moralisch besten Entscheidungen, seiner ständigen Qual mit seiner „bösen“ Vergangenheit und seinem Kampf, das Richtige zu tun, versteht sich. Quasi genau dieselben Gründe, warum man Wolverine mag. Klar, ’ne?

bigby

Zimbardo: Der Luzifer-Effekt

Was bringt gute Menschen dazu, Böses zu tun? Wie können normale Menschen dazu verleitet werden, unmoralisch zu handeln? Wo liegt die Grenze zwischen Gut und Böse, und wer läuft Gefahr, sie zu überschreiten?“ Link zum Buch

Philip Zimbardo wird ja demjenigen, der sich ansatzweise für Psychologie interessiert eh ein Begriff sein und wer ihn nicht kennt, der hat vielleicht zumindest schon mal vom „Stanford Prison Experiment“ gehört. Das ist auch einer der beiden großen Hauptpunkte seiner Buches (der zweite sind die „Vorkommnisse“ in Abu Ghraib, allerdings bin ich so weit noch nicht gekommen). Daneben kommt er auf verschiedene andere bekannte Experimente zu sprechen, in denen es um darum geht, wie das Verhalten des einzelnen zum „Bösen“ gelenkt werden kann, z.B. das Milgram-Experiment.

Im ersten Teil des Buches erklärt Zimbardo sehr ausführlich sein Stanford Prison Experiment, was er eigentlich damit herausfinden wollte und wie sich dann alles doch recht anders entwickelt hat. Auch Ausschnitte aus Transkiptes der Aussagen einzelner Teilnehmer geben einen, wie ich finde, sehr guten Einblick in die Situation des Experiments. Allein dafür hätte sich das Buch schon gelohnt. Richtig spannend wir es aber dann, wenn er weitergeht zum Milgram-Experiment und anderen ähnlichen Versuchen, in denen Psychologen versuchen herauszufinden, wie sich Obrigkeitshörigkeit und -gläubigkeit oder auch Gruppendruck auf einzelne Individuen auswirken.

Ich verrate vermutlich nicht zu viel, wenn ich sage, dass die Ergebnisse solcher Studien bestenfalls erschreckend sind, wenn nicht sogar verstörend. Man muss sich wirklich fragen, was würde ich tun? Würde ich aufrecht dagegenstehen können? Das Ende des Buches wird sein, wie man doch zu einem „Helden“ werden kann oder zumindest seine Chancen dafür erhöhen kann. Wie gesagt, so weit bin ich noch nicht, aber das Buch ist bis hierhin eigentlich eine Pflichtlektüre für jeden, der verstehen will, wie sozialer Druck wirkt, wie man dazu neigt, sich „von oben“ zu irgendetwas lenken zu lassen und der wissen will, wie die Situation das Verhalten lenkt.

zimbardo

 

Cheap Thrills

Inhalt

Was würdest du tun für Geld? Wie weit würdest du gehen?
Das sind wohl die Grundfragen, um die’s hier geht. An dieser Botschaft vorbeizuschauen ist schwer, ist aber auch nicht nötig. Das Drumrum ist trotz alles Kapitalismuskritik (würde ich zumindest reininterpretieren) spannend gemacht. Klar, bißl Slasher, bißl Gore, aber mei, auch das Hinschauen darf ja mal wehtun? Mein Interesse an der Eskalation der Situation war jedenfalls den ganzen Film über gegeben und ja, ich hätte gedacht, der andere täte es 😉

Würd ich jedem, der ansatzweise mit Konsum-/Kapitalismuskritik liebäugelt und ein Herz für blutigere Filme hat, mal ans Herz legen wollen.

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